top of page

Eine Anleitung zum guten Konflikt

Autorenbild: Brigitte Santo
Brigitte Santo
21. Sept.
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Sept.

Ausnahmsweise ernst gemeint, indem sie es nicht ist.


Die meiste Literatur über Konflikte handelt davon, wie man sie löst. Über das Gegenteil liest man wenig, und das ist schade. Denn seien wir ehrlich: Ein gelöster Konflikt ist auch ein bisschen langweilig. Kein Drama mehr, keine Verbündeten, kein wohliges Empören am Feierabend. Manchmal will man einen Konflikt gar nicht loswerden. Man will ihn in voller Blüte sehen. Für diesen Fall fehlte bisher eine solide Anleitung. Hier ist sie, in fünf Schritten.



Erstens: Reden Sie nicht mit der Person, sondern über sie. Ein direktes Wort würde die Sache womöglich klären, und das wollen wir hier ausdrücklich nicht. Streuen Sie Ihre Sicht lieber so, dass sie zuverlässig weitergetragen wird, durch möglichst viele, bis hinauf zur Geschäftsführung. Bis Ihre Botschaft ankommt, hat sie drei Zwischenstationen passiert und unterwegs an Schärfe gewonnen. Das können Sie selbst gar nicht so gut.


Zweitens: Warten Sie. Ein frischer Konflikt ist klein und leicht zu bereinigen. Lassen Sie ihn reifen. Sammeln Sie still, was Sie stört, über Wochen, gerne Monate. Legen Sie innerlich eine Liste an. Der Vorteil: Wenn Sie das Thema irgendwann doch ansprechen, geht es nicht mehr um eine Sache, sondern um zwölf, und die erste liegt so weit zurück, dass sich niemand mehr an sie erinnert. Das erschwert jede Lösung erheblich. Ausgezeichnet.


Drittens: Bilden Sie Lager. Ein Konflikt zwischen zwei Menschen ist überschaubar und damit gefährlich nah an einer Lösung. Fragen Sie beiläufig andere, ob sie das auch schon bemerkt hätten. Die meisten bemerken danach etwas. So wird aus einer Meinungsverschiedenheit eine Fraktion, und Fraktionen lösen sich nicht in einem Nachmittagsgespräch auf.


Viertens: Sprechen Sie über Charakter, nicht über Verhalten. Nicht „die Zahlen kamen zu spät", sondern „du bist unzuverlässig". Verhalten könnte man ändern, Charakter trifft tiefer und hält länger. Und bestehen Sie auf Ihrem Recht, gerade dann, wenn es eigentlich um die Beziehung geht. Recht haben ist wichtiger als weiterkommen. Wer nachgibt, löst am Ende noch etwas.


Fünftens: Berufen Sie sich auf die Zeit. Wenn tatsächlich jemand vorschlägt, das alles einmal in Ruhe zu besprechen, vielleicht mit einer neutralen Person von außen, dann winken Sie ab. Dafür sei jetzt keine Zeit. Zeit ist das perfekte Argument, weil sie immer knapp ist und niemand widersprechen kann. Dass der ungeklärte Konflikt längst mehr Zeit kostet als jedes Gespräch, fällt niemandem auf, solange die Zeit in Umwegen verschwindet und nicht im Kalender steht.


Wenn Sie diese fünf Punkte beherzigen, ist Ihnen ein stabiler, ausgewachsener Konflikt sicher. Er wird Sie über Jahre begleiten, Sitzungen färben, Entscheidungen verzögern und am Wochenende mit nach Hause kommen.

Falls Sie das nicht wollen, wissen Sie jetzt immerhin, woran Sie beim nächsten Mal sich selbst erkennen können. Oder Sie lesen mal hier rein: https://www.brigittesanto.de/post/ab-wann-braucht-ein-konflikt-hilfe-von-außen







 
 
bottom of page